Ein Unterschied wie Tag und Nacht

Am vergangenem Wochenende hieß es nach langer Sommerpause für uns endlich wieder „Rauf aufs Feld und los geht’s!“. Gleich zu Beginn der Saison erwarteten uns 2 Spieltage, die unterschiedlicher wohl hätten nicht sein können.

Am Samstag startete die erste Partie gegen den Achtplatzierten der letzten Saison, den Eimsbütteler TV. Diese kämpften vergangenes Jahr gegen den Abstieg und waren für uns ein Gegner, den wir schlagen wollten, um uns in der dritten Liga zu behaupten. Trotz des verletzungsbedingt kleinen Kaders starteten wir hochmotiviert, aber auch nervös in das Spiel (immerhin war das das erste Spiel der neuen Saison in der Dritten Liga). Der Start verlief alles andere als optimal. Von Beginn an liefen wir einem Rückstand hinterher, den wir aber noch auf 20:21 verkürzen konnten. Jedoch fanden wir zu keinem Zeitpunkt ins Spiel und es schlichen sich zu viele Eigenfehler ein. Die Nervosität und Unsicherheit setzte uns doch stärker zu als gedacht und wir mussten uns im ersten Satz 20:25 geschlagen geben. Nach einer kurzen Krisensitzung in der Pause starteten wir abermals motiviert in den zweiten Satz, in dem Levke uns mit starken Aufschlägen eine 3:0 Führung erkämpfte. Diese konnten die Gegner leider durch ebenfalls starke Aktionen zurückerobern und so fielen wir ab Mitte des Satzes in ein Tief mit vielen ärgerlichen Eigenfehlern. Wir verloren den 2. Satz deutlicher mit 16:25.  Wir gaben uns nicht geschlagen und wollten im dritten Satz endlich das Blatt wenden und unsere Leistung abrufen. Ein toller Einstieg mit druckvollen Aufschlägen und stabilerer Abwehrarbeit brachte uns auch hier eine 5:0 Führung ein. Trotz guter Annahme und einsatzbereiter Abwehr schlichen sich später aber wieder vermehrt Eigenfehler in den Angriff ein. Das nutzte unser Gegner aus und ließ uns im Rückstand zurück. Den Matchball konnten wir zwar noch mit letztem Kampfgeist vier Mal abwehren, jedoch kam dieser Aufschwung zu spät und wir verloren auch den 3.Satz (22:25). MVP dieses Spiels wurde unsere Zuspielerin Melli. Wir haben es nicht geschafft, unsere Normalform zu erreichen und haben trotz vereinzelter guter Aktionen weder die Konstanz halten, noch die Fehler reduzieren können. Nach einer kurzen Besprechung direkt im Anschluss des Spiels galt es jedoch nicht zu verzweifeln, sondern das Spiel abzuhaken und nach vorn zu schauen. Denn das Wochenende hielt neben dem verkorksten Einstieg noch eine positive Überraschung für uns bereit.

Am Sonntag hieß es nach nur kurzer Erholungsphase wieder rauf aufs Parkett und „neues Spiel- neues Glück“. Um die auch für uns sehr enttäuschende Leistung vom Samstag wett zu machen, beschlossen wir befreit und ohne Angst aufzuschlagen und unser Spiel zu spielen. Denn gegen den zweimaligen Meister der Dritten Liga TSV Tempelhof-Mariendorf hatten wir nichts zu verlieren aber vieles zu gewinnen. Mit leicht erweitertem Kader (Danke Anni für dein spontanes Einspringen!) starteten wir mit druckvollem Aufschlag und darauffolgend druckvollem Angriff in die Partie und sicherten uns den ersten Punkt. Mit neu erwachtem Mut und Spielwitz ärgerten wir die Hauptstädterinnen und konnten schnell in Führung gehen (14:9). Dank unserer stabilen Annahme konnten wir unser ganzes Potential im Angriff ausschöpfen und machten es dem überraschten Gegner schwer Fuß zu fassen. Es war ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem glücklicheren Ende für die Kieler Seite (25:23). Der zweite Satz war mehr oder weniger ein Pendant des Ersten (23:19). Wir ließen uns nicht einschüchtern und machten weiterhin Druck im Angriff und überzeugten mit einer agilen Abwehr. Mit einem starken Schlussspurt sicherten wir uns auch den zweiten Satz (25:20) und bauten die Führung zum 2:0 aus. Im dritten Satz kam langsam die Erkenntnis, dass wir wirklich mit 3-Punkten aus der Halle gehen könnten. Die dadurch aufkommende Nervosität ließ uns ein wenig Druck aus dem Angriff rausnehmen, welches der Gegner sofort ausnutzte. An dieser Stelle muss man ebenfalls dem gegnerischen Team Tribut zollen, die sich durch die gute Arbeit der Coaches super auf unsere Angreifer eingestellt hatten und uns sowohl im Block als auch in der Abwehr das Leben schwermachten. Die Berlinerinnen schöpften aus ihrer Routine und Ruhe neue Kraft und machten nun auch Zusehens mehr Druck mit ihrer guten Aufschlagtaktik. Nach einer Serie der TSVler nahm unser Trainergespann die erste Auszeit (5:9) um den gegnerischen Lauf zu unterbrechen und um uns klare taktische Ansagen zu geben. Dies zeigte Wirkung und wir starteten mit neuer Energie und Selbstbewusstsein in die zweite Hälfte des Satzes. Wir ließen nach dem Rückstand die Köpfe nicht hängen, sondern kämpften uns immer wieder ran. Der super Kampfgeist wurde auch besonders durch die mitfiebernden und lautstark unterstützenden Fans weiter angeheizt. Leider mussten wir uns in diesem Satz den immer stärker werdenden Tempelhofern mit 21:25 geschlagen geben. Auch der vierte Satz wurde nicht kampflos aufgegeben und mit einigen Höhen und Tiefen im Laufe des Spiels mussten wir auch den vierten Satz abgeben (20:25). Es stand nun 2:2 und die Entscheidung musste im 5. Satz fallen. In der 3minütigen Pause animierte das Trainerteam uns nochmal alles aus uns herauszuholen und das Spiel einfach zu genießen. Diese Worte schienen Früchte getragen zu haben, denn wir starteten mit einer super Teamleistung in allen Elementen in den entscheidenden Satz. Aber auch hier hatten wir mit der hohen Abschlaghöhe der gegnerischen Angreifer zu kämpfen. Auf Augenhöhe und immer wieder wechselnder Führung kam das Ende des spannenden Spiels immer näher. Nach einer guten Aufschlagserie des Gegners konnten wir jedoch mit einigen super Aktionen im Block, in der Abwehr und im Angriff auf den Stand 14:14 ausgleichen. Letztendlich hatte der TSV Tempelhof-Mariendorf den längeren Atem und siegte bei einem Endstand von 14:16. MVP dieser Partie wurde unsere Mittelblockerin Nele. Es ist zwar ärgerlich, dass wir das Spiel nicht gewinnen konnten, aber wir können einen wohlverdienten und hart umkämpften Punkt auf unser Habenkonto verbuchen, was eine riesengroße Erleichterung nach dem Samstags-Debakel ist. Man hat gesehen, was wir als Team können, wenn wir befreit und mutig spielen.

In diesem Sinne wollen wir uns bei den Fans bedanken, die das Spiel Samstag mit uns durchgestanden und uns Sonntag lautstark unterstützt haben! Weiterhin geht auch ein Dank an DJ Jens Pachan, der den Samstag musikalisch unterstrichen hat, und an die Jungs des KTV, die sowohl Samstag dabei waren und auch Sonntag für gute Stimmung in der Halle gesorgt haben!

Foto: Martin Ernst