2. BL – KIEL IM AUFTAKTSPIEL VS. LINDOW-GRANSEE

Alles auf Anfang: Die 2. Bundesliga Männer Nord startet in die neue Saison

Das Warten hat ein Ende, die Bälle fliegen wieder: Am 12. September startet die 2. Bundesliga Männer Nord in die Saison 2026/27 und die Fans können sich nach der Vorbereitungszeit von Anfang an auf einen Kampf um die Playoff-Plätze freuen. Zum Auftakt muss der FC Schüttorf 09 beim PSV Neustrelitz antreten, während die Rhein-Sieg Volleys / Mondorf beim TuB Bocholt gastieren. Aufsteiger Eimsbütteler TV empfängt den VV Humann Essen, der Kieler TV trifft auf den SV Lindow-Gransee. Außerdem stehen die Duelle TERRA Tebu Volleys gegen die MLK Volleys Köln und USC Braunschweig gegen TSV Giesen GRIZZLYS II auf dem Programm. Der Norden ist zurück und gleich zum Auftakt werden die ersten Antworten auf die Frage gesucht, wer tatsächlich das Zeug für die Playoffs hat.

Im Rennen um die Meisterschaft der Nordstaffel 2025/26 lieferten sich Schüttorf und Mondorf ein Wimpernschlagduell, das der FCS für sich entschied. Anschließend ging es für den Ligaprimus in den erstmals ausgetragenen Playoffs um die gesamtdeutsche Zweitligameisterschaft weiter. Dort fehlte Schüttorf am Ende nur ein kleiner Schritt zum Titel: In zwei hochdramatischen Finalduellen unterlag das Team den Blue Volleys Gotha jeweils im fünften Satz und wurde damit erster gesamtdeutscher Zweitliga-Vizemeister. Nun beginnt die Jagd auf den Titel der neuen Saison und Schüttorf geht als Gejagter ins Rennen.

Schüttorf ist „die logische Wahl“ – Mondorf mit „Dauerkarte“

Diesbezüglich herrscht im Ligazirkus weitgehend Einigkeit. „Als letztjähriger Meister der Liga Nord und Final-Teilnehmer der Playoffs ist Schüttorf die logische Wahl und das Team, an und mit dem sich alle messen wollen“, sagt TSV Giesen-Headcoach Martin Richter. Auch beim Eimsbütteler TV fällt die Wahl auf den Nordmeister des Vorjahres: „Sie haben in unseren Augen nur wenige Abgänge zu verzeichnen und konnten gleichzeitig vielversprechende Neuzugänge verpflichten“, erklärt Mittelblocker Peter Hoffmann. „Definitiv unsere Nachbarn aus Schüttorf“, findet auch TERRA Tebu-Trainer Lars Fischer. „Daniel Gorski leistet dort seit einigen Jahren hervorragende Arbeit und trotz der Abgänge haben sie sich erneut extrem verstärkt.“

Beim VV Humann Essen sieht man dagegen ein Duo an der Spitze: „Unsere Meisterschaftsfavoriten sind Schüttorf und Mondorf, weil beide ihre erfahrenen Leistungsträger halten und weitere hochkarätige Neuzugänge verpflichten konnten.“ In Schüttorf selbst gibt man die Favoritenrolle allerdings lieber erstmal weiter. Kapitän Felix Orthmann nennt vor allem die Rhein-Sieg Volleys Mondorf und Essen. „Bei Mondorf ist nach zwei Jahren in Düren mit Nico Wegner wieder ein wichtiger Spieler zurück“, erklärt er. Und über den VV Humann sagt Orthmann: „Essen hat bereits in der letzten Saison gezeigt, dass es eine starke, junge und ambitionierte Mannschaft ist.“ Auch Kieler TV-Headcoach Eric Koreng erwartet einen Zweikampf. Schüttorf habe sich weiter verstärkt, Mondorf habe „gewissermaßen eine Dauerkarte auf eine Top-Platzierung gelöst“. Und dann gibt er noch eine Stimme für Essen: „Als Geheimfavorit sehe ich womöglich Essen in dieses Duell eingreifen.“

Die Rhein-Sieg Volleys / Mondorf selbst halten sich ebenfalls noch bedeckt. „In der aktuellen Phase der Saisonvorbereitung schwer zu sagen“, meint Manager Klaus Utke. „Vermutlich werden auch in dieser Saison wieder die Teams oben in der Tabelle stehen, die auch letztes Jahr auf den vorderen Plätzen standen. Und dazu wollen wir auch wieder gehören.“ Frank Seeger vom SV Lindow-Gransee setzt derweil erneut auf die Rhein-Sieg Volleys: „Wie in der vergangenen Saison sehen wir die Rhein-Sieg Volleys Mondorf als Saisonfavoriten. Sowohl aus spielerischer, struktureller, als auch aus menschlicher Sicht.“

Playoffs: Mehr als nur ein Finale

Die Premiere der gesamtdeutschen Playoffs prägte die vergangene Saison nachhaltig und dürfte auch in der neuen Spielzeit ein zusätzlicher Anreiz für die Mannschaften sein. „Die Spieler sind natürlich heiß auf die Playoffs. Es ist Ehre und Herausforderung zugleich“, sagt Martin Richter. Für den Giesener Trainer trägt der neue Modus „erheblich zur Motivation der Spieler bei“. Gleichzeitig sei es auch für das Publikum spannend, „das Messen zwischen Liga Nord und Liga Süd zu verfolgen“.

Besonders eindrücklich hat man beim VV Humann Essen die neue Endrunde erlebt. „Die Playoffs in der letzten Saison waren ein spektakuläres und sehr motivierendes Erlebnis für uns“, sagt Kapitän Tim Dißmann. „Wir wollen in dieser Spielzeit unbedingt wieder mit dabei sein und, wenn es geht, auch länger im Wettbewerb bleiben.“ Die Playoffs seien eine „riesige Bereicherung für die Liga“ und würden „mit ihrer elektrisierenden Endspiel-Atmosphäre und dem professionellen Ambiente echtes Erstliga-Feeling“ vermitteln. Dass Schüttorf im Finale vor 1.200 Zuschauer:innen in der ausverkauften Vechtehalle aufschlug, dürfte diese Einschätzung eindrucksvoll unterstreichen.

Für kleinere Vereine ist die neue Bühne allerdings auch mit Herausforderungen verbunden. „Playoffs bieten allen Zweitligisten Sichtbarkeit und Motivation“, sagt Frank Seeger vom SV Lindow-Gransee. Gleichzeitig erforderten die finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen „bei kleinen Vereinen, wie dem unseren, eine schlanke Kostenführung und effiziente Planung“. Für Lindow-Gransee wäre eine Playoff-Teilnahme dennoch „natürlich ein großes Highlight“.


Die Adler des Kieler TV wollen in der Saison 2026/27 mit einem Mix aus Spaß und fokussierter Arbeit im Team an den Start gehen.
(Foto: Jasper Lorenz)

Wölfe, Adler und ganz viel Teamgeist

Wer beschreiben möchte, was die Mannschaften der 2. Bundesliga Nord auszeichnet, muss nicht lange nach Metaphern suchen. In Essen hat sich das Selbstbild in den vergangenen Jahren gewandelt: „Noch vor wenigen Jahren waren wir eine Herde etwas friedfertigerer Tiere“, erklärt Trainer Christoph Bielecki. Inzwischen sei daraus „ein Rudel junger und kräftiger Wölfe im besten Volleyballalter“ geworden. Angeführt werde es vom erfahrenen Leitwolf Tim Dißmann, der gerade in kritischen Situationen den richtigen Ton anzuschlagen weiß. Das Rudelprinzip gilt dabei nicht nur auf dem Feld: „Wie in jedem guten Rudel unterstützen wir uns gegenseitig, integrieren Neuzugänge und schätzen uns wegen unserer unterschiedlichen Fähigkeiten und Eigenschaften.“

In Kiel sind die Tiere ebenfalls unterwegs. „Die Adler vom KTV sind ein junges und hungriges Team, das aber deshalb nicht gänzlich ohne Erfahrung auftreten wird“, beschreibt Eric Koreng seine Mannschaft. Spaß am Sport treffe auf „fokussierte und engagierte Arbeit an uns selbst“. Beim SV Lindow-Gransee fällt die Beschreibung poetischer aus: „Ein neugieriger, vielseitiger Navigator in einer großen Bibliothek der Möglichkeiten“ ist die Mannschaft laut Seeger oder, einfacher gesagt, „ein fröhlicher, unheimlich liebenswerter Haufen mit ganz viel Potenzial“. Die TERRA Tebu Volleys bringen es etwas direkter auf den Punkt: „Unsere Mannschaft wäre ein wilder, junger und energiegeladener Charakter – immer motiviert, mit viel Teamgeist, Spaß und einer guten Portion Quatsch im Kopf“, sagt Mittelblocker und Kapitän Moritz Borken.

Was alle verbindet, ist die Überzeugung, dass Erfolg nicht allein über individuelle Qualität entsteht. „Das Team steht im Vordergrund!“, betont Mondorfs Kapitän Miguel Reuss. „Ohne ein sportlich und menschlich homogenes Team sind Erfolge nicht möglich und nicht möglich gewesen!“ Beim VC Juniors Frankfurt stehen gleich fünf Begriffe über dem täglichen Training: „PASSION – COMMITMENT – ENTWICKLUNG – TEAMGEIST – #DREAMBIG“. Bei Liga-Neuling USC Braunschweig wird der gemeinschaftliche Einsatz zum verbindenden Element: „Nichts zu verlieren und in jedem Spiel fighten, fighten und fighten“, fasst Außenangreifer Mika Püschmann das Motto seiner Mannschaft zusammen. Und Giesens Philosophie bleibt unverändert: „Ausbildung ist und bleibt unsere DNA“, sagt Martin Richter. Die jungen Spieler sollen entwickelt und beim Schritt ins Oberhaus unterstützt werden.

Auch die Rituale fallen entsprechend bodenständig aus. In Schüttorf gehört das Vormittagstraining vor Heimspielen fest zum Ablauf: „Da wird zusammen der Fokus auf das Spiel in der Vechtehalle gelegt“, erklärt Daniel Gorski. Bei TERRA Tebu wiederum gehört vor jedem Heimspiel am Burgweg eine Portion Spaghetti dazu. Beim Eimsbütteler TV gibt es bislang noch keine feste Tradition, die gemeinsame Pizza nach den Heimspielen könnte aber eine werden.

Junge Spieler, neue Gesichter, neue Impulse

Personell hat sich in der Nordstaffel einiges getan. Besonders beim VV Humann Essen dreht sich das Personalkarussell. Zuspieler Niklas Bach wechselte zu den MLK Volleys Köln, Diagonalspieler Chris Schäperklaus beendet seine Bundesliga-Karriere, Außenangreifer Massimo Ostuzzi konzentriert sich auf seine Promotion. Die Antwort des VV Humann auf die Veränderungen? Nachwuchs. Mit Kylian Wenke und Kaspar Gröger kommen zwei Talente von den Volley YoungStars Friedrichshafen, dazu stoßen Niclas Dalquen und Moritz Kern aus der eigenen dritten Mannschaft. „Diese Abgänge kompensieren wir, wie es beim VV Humann Tradition ist, durch talentierte Newcomer“, erklärt Co-Trainer Steffen Skreba. Beim Nachwuchsstützpunkt VC Juniors Frankfurt sind viele Abgänge Teil des Konzepts. „Dafür sind viele neue, junge Talente aus dem Jahrgang 2010/11 an den Bundesstützpunkt gekommen, sodass wir in dieser Saison eine gute Mischung aus erfahrenen Spielern und neuen Gesichtern haben“, so der sportliche Leiter Dominic von Känel.

Auch Mondorf hat kräftig nachgelegt. Mit Nico Wegner kehrt ein Spieler aus Düren zurück, Maik Trautmann kommt aus Rottenburg, Philipp Hornung aus Mimmenhausen und Maximilian Quade vom Meckenheimer SV. In Kiel wurde der Kader ebenfalls weiter verjüngt, allerdings mit Spielern, die bereits Erfahrung mitbringen. Gleichzeitig gibt es ein neues Gesicht an der Seitenlinie: Eric Koreng kehrt zurück und soll gemeinsam mit Brar Gerhardt ein junges und erfolgreiches Team formen.

Beim Aufsteiger USC Braunschweig setzt man dagegen auf Kontinuität. „Viele Säulen der vergangenen Meistersaison konnten zum Glück gehalten und einige neue Leute aus der Region von dem Projekt hier in Braunschweig überzeugt werden“, sagt Teammanagerin Rieke Marahrens. Gleichzeitig wurde der Verein hinter der Mannschaft breiter aufgestellt. „Wir glauben daran, die richtigen Weichen für Bundesligavolleyball in Braunschweig gestellt zu haben.“

Auch die Erfahrungen der vergangenen Saison fließen in die neue Spielzeit ein. Beim VC Juniors Frankfurt lautet die wichtigste Lehre: Konstanz erreichen. „In der ersten Saisonhälfte haben wir nicht viel gewonnen – unsere Entwicklung über das Jahr war dafür herausragend“, sagt Dominic von Känel. Woche für Woche gegen Männerteams zu spielen, habe die Talente „abgehärtet“. Die 2. Bundesliga sei damit eine entscheidende Plattform für die Entwicklung der Nachwuchsspieler – sportlich wie persönlich.

Zwischen Klassenerhalt und Titelträumen

Auf den individuellen Durchbruch Einzelner darf man ebenfalls gespannt sein. Beim Eimsbütteler TV richten sich die Blicke auf Ben Karowski und Jannis Freude: „Mit ihrem Einsatz, ihrer Dynamik und ihrem Potenzial können beide wichtige Schritte nach vorne machen“, glaubt ETV-Angreifer Andreas Polz. In Schüttorf soll Denis Christiany für Aufsehen sorgen. Der junge Franzose wurde mit Frankreichs U17 Europameister und gewann mit Montpellier bereits einen Meistertitel. „Er ist ein junger und athletischer Spieler, der gerne Verantwortung übernimmt“, sagt Trainer Daniel Gorski.

Kiel freut sich derweil auf die Rückkehr von Jonas Müller. Der Außenangreifer war zur Saison 2024/25 vom VCO Berlin an die Förde gewechselt, verletzte sich allerdings unmittelbar vor dem ersten Saisonspiel schwer. Nun ist er nach einem Auslandsaufenthalt zurück. „Wir freuen uns, dass er seine sportliche Karriere bei uns fortsetzt und sind gespannt auf seine Leistungen“, sagt Teammanager Kai Huke. Bei TERRA Tebu soll die nachrückende Generation den nächsten Schritt machen. Mit Robin Schüttemeyer und Thomas Klein stehen zwei Spieler des Jahrgangs 2008 im Kader, die sich bereits Stammplätze erspielt haben.

Die Ziele könnten indes unterschiedlicher kaum sein. Eimsbüttels Kapitän Justus Baehr formuliert für den Aufsteiger zunächst den Klassenerhalt als „ganz klares“ realistisches Ziel, träumt aber insgeheim von einer einstelligen Platzierung. Essen möchte nach dem Playoff-Erlebnis des Vorjahres „diese tollen Erfahrungen in dieser Spielzeit wiederholen“ und Mondorf setzt sich zunächst die Top vier zum Ziel: „Dann schauen, was geht“, sagt Klaus Utke.

In Frankfurt geht es vor allem um Entwicklung und Konstanz. „Der Start am Bundesstützpunkt ist für die Jungs ein großer Schritt weg von zu Hause, und es tut ihnen gut, direkt in der Bundesliga gefordert zu sein“, sagt Dominic von Känel. Schüttorf dagegen hat die Latte deutlich höher gelegt. „Realistisch ist der erneute Einzug in die Playoffs“, sagt Daniel Gorski und gibt dann doch zu: „Insgeheim wollen wir den Titel in der 2. Bundesliga Nord verteidigen und in den Playoffs nach Platz zwei diesmal Erster werden.“ Bei den Aufsteigern TERRA Tebu Volleys und USC Braunschweig heißt es zunächst: Klasse halten. „Alles andere wäre als Aufsteiger und mit unserem Startprogramm erstmal vollkommen utopisch“, sagt Tebu-Coach Lars Fischer. USC-Trainer Philipp Maasberg ergänzt: „Der Klassenerhalt steht als Ziel über allem.“ Fischer und Maasberg verbindet eine enge Freundschaft aus Jugendzeiten, der gemeinsame Aufstieg und die nun anstehenden Duelle gegeneinander machen diese Saison zu einem besonderen Erlebnis.
 

Neue Saison, alte Rechnungen

Am kommenden Wochenende beginnt für die Clubs der 2. Bundesliga Männer Nord eine Saison, die auf den Erfahrungen des vergangenen Jahres aufbaut und in der die Teams gleichzeitig den Blick nach vorne lenken. Schüttorf geht als Hauptrundensieger und Vizemeister der ersten gesamtdeutschen Playoffs in die Saison. Die Rhein-Sieg Volleys / Mondorf, Meister der Jahre 2022 bis 2024, wollen nach dem hauchdünn verpassten Titel zurückschlagen. Essen möchte beweisen, dass die Playoff-Teilnahme kein einmaliger Ausflug war. Bei Kiel, Giesen, Lindow-Gransee steht die Entwicklung im Vordergrund, während Aufsteiger wie Eimsbüttel, TERRA Tebu und Braunschweig ihre ersten Kapitel in der neuen Liga schreiben.

Ob der Titelverteidiger seinen Thron verteidigen kann, die Rhein-Sieg Volleys / Mondorf erneut zum engsten Verfolger wird oder ein anderer Herausforderer in den Zweikampf eingreift, wird sich ab dem 12. September zeigen. Die Favoriten sind benannt. Die Kader sind formiert. Die Playoffs warten. Quelle: VBL

In Kiel startet die Saison am kommenden Samstag um 19:30 Uhr in der heimischen Hein-Dahlinger-Halle.

sev

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